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Gitarre und Impro-Theater

Gery Feind ImpromusikNormalerweise wird im Impro-Theater ja sehr viel herumfantasiert. Doch die Statt-Theater-Show vom Impro-Theater-Chamäleon am 21. September 2014 stand unter dem Motto "Wahre Geschichten". Ein heikles Thema mit viel Platz für, naja, Fantasie eben.

Dabei stellte sich der vergleichsweise "intime Rahmen" der Kult-Kleinkunstbühne "Statttheater" als idealer Nährboden heraus für eine entzückende Show. Es ging um dunkle Geheimnise, peinliche Erlebnise, Flaschendrehen und erste Küsse... und um "Dirty Dancing" auf der Gitarre.

Mehr Fantasie wagen!

Für Impro-Theater ist die Gitarre Überraschungs-Ei und Mogelpackung zugleich. Ein Klavier oder sogar Synthesizer ist in Sachen Klangvielfalt viel überlegener. Dafür steckt in der Gitarre meiner Erfahung nach mehr spontanes "Mitsing-Potenzial", räumliche Flexibilität und (bedingt durch die klanglichen Einschränkungen) mehr "Fantasie".

Ein Gitarrenton kann – je nach Spielweise – in viele Rollen schlüpfen. Doch als bei der "Wahre Geschichten"-Show vom IT Chamäleon mal eben so das Thema "Dirty Dancing Hebefigur" auf die Bühne gebracht wurde, war ich leider ein wenig überfordert.

"Da... da da da daa aaa..."

"The Time of my life" ist ein wunderschönes Lied, ein Klassiker. Das Problem ist nur: Die Gesangsmelodie gibt nicht viel her. Im Gegensatz zum Beispiel zu "Here comes the sun" oder "We will rock you", welche jeweils an der Melodie oder am Rhythmus gut zu erkennen sind, versinkt "Time of..." förmlich im Nirvana, wenn man nur die Melodie spielt ("da... da da da daa aaa...") oder nur die Akkorde. Oder auch beides in Kombination. Es klingt einfach zu beliebig.

Also schauten mich alle an, ich spielte los... doch der große Knalleffekt blieb aus.

Ein kleiner Makel einer sonst – aus meiner Sicht gelungenen Show. Schöne Melodien passend zu den Szenen und Charakteren, ein paar durchgängige Themen und sogar den einen oder anderen herausragenden Soundeffekt konnte ich platzieren. So muss Impro-Musik sein.