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Alles - außer "happy Day"

"Brücken bauen" bei der Konfirmation in MammendorfFür Musiker gehört es ja inzwischen zum guten Ton: Höher (die Bühnen), schneller (die Licks), weiter (die "Tour") – kein facebook-Posting ohne persönliche Bestmarke. Doch es gibt auch kleine Momente, die jene beflügeln, die Musik leben.

 

Wenn so jemand eingeladen wird, in der Kirche zu spielen, dann ist das Aufgabe und Statement zugleich – und mitunter obendrein ein schönes Konzerterlebnis-Experiment. Respekt, Frau Pfarrerin Sabine Huber, für dieses gelungene Wagnis!

Kulturelle Chancen nutzen

"Kirchenmusik ist uns sehr wichtig (...) wir möchten neben Bewährtem auch neue Klänge präsentieren", sagte Pfarrerin Sabine Huber gegen Ende der Konfirmationsgottesdienste der evangelischen Gemeinde Mammendorf am 17. und 18. Mai 2014. Nur für einen winzigen Moment fiel ihr Blick dabei in meine Richtung: Fingerstyle-Gitarre, sowie Solistin an Gesang (Angie Marian am Samstag) und Violine (Angela Pilz-Koehler am Sonntagmorgen) – das war ein Novum für diese kleine evangelische Gemeinde tief im Münchner Westen.

 

konfirmation mammendorf mai 2014

Sabines Blick war erleichtert, denn unser Plan war aufgegangen. Schließlich meinte ich schon bei unserem ersten Gespräch, dass ich sehr viel Wert auf unkoventionelle musikalische Ideen lege: "Musik für einen hohen Gottesdienst darf nicht nur romantisches Wunschdenken sein, sondern ist auch eine kulturelle Chance." Wenn junge Menschen ihren Lebens-Wendepunkt schon feierlich begehen, sollte man – finde ich – nicht nur "Oh Happy Day" & Co. servieren.

 

Die "musikalische Kalte-Dusche"

Freilich gehörten Lieder aus dem Liederbuch zum Gottesdienst, ebenso wie die vertraute Kirchenorgel. Doch unsere akustische Neu-Interpretation von "Bridge over troubled water" als Acoustik-Folk-Rock-Version mit Percussion-Gitarre und Gesang bzw. Violine (am Sonntag) und vor allem das ausgelassene "I'm walking..." zum Ausklang der Zeremonie wirkten auf viele Gottesdienst-Besucher wie eine "musikalische Kalte-Dusche": Faszinierte und verstohlene Blicke kamen uns entgegen – am Ende begrüßten mich viele Besucher mit "so habe Gitarre ich noch nie gehört" oder "ich hatte Gänsehaut!".

 

Mission erfüllt!